Internationaler Tag der Pflege 2022: BMBF fördert Forschung für die Zukunft der Pflege

Heute, am 12. Mai, ist der internationale Tag der Pflege. Der Tag erinnert an den Geburtstag der britischen Krankenpflegerin und Pionierin der modernen Krankenpflege, Florence Nightingale und schafft Aufmerksamkeit für den großen Einsatz, den beruflich und informell Pflegende unablässig erbringen.

©Adobe Stock/Sinkevych

Die Gewährleistung der langfristigen Gesundheitsversorgung ist eine der größten Herausforderungen unserer Gesellschaft. Dies betrifft gleichermaßen Akutkrankenhäuser und Reha-Einrichtungen, die stationäre und ambulante Altenpflege und auch die Pflege im eigenen Haushalt. Täglich sind mehrere Millionen Menschen in Deutschland auf Pflegeleistungen angewiesen. Die Anzahl der Pflegebedürftigen wächst dabei stetig. Hinzu kommen neue Herausforderungen: Mit den steigenden Fallzahlen von Covid-19 wuchs die Belastung für alle im Pflegebereich Tätigen enorm. Pflege muss darauf reagieren und neue Wege gehen. Technische Innovationen und digitale Lösungen können Pflegefachpersonen und pflegende Angehörige bei ihrer Arbeit entlasten und die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten verbessern. Aus diesem Grund fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gezielt die Entwicklung und Erforschung neuer Pflegetechnologien. Aus aktuellem Anlass haben wir Forschende aus den vom BMBF geförderten Projekten gefragt, was der Tag der Pflege für sie und ihre Forschungsarbeit bedeutet, in welchem Kontext sie ihn betrachten und welche Vision sie für die Pflege der Zukunft haben.

Projekt: KARE

"Der Tag der Pflege ist für mich Anlass zur Würdigung und Wertschätzung unserer in der Pflege tätigen Mitarbeitenden. Sie sind mit viel Herzblut dabei, umfassenden Hilfebedarf anzubieten, mit dem Ziel, die Teilhabe aller am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Deshalb ist der Tag eine wichtige Gelegenheit, Anerkennung, Lob, Dank und Ermutigung für Pflegerinnen und Pfleger zum Ausdruck zu bringen. Vor allem während der Corona-Pandemie wurde deutlich, wie kräftezehrend und herausfordernd der Pflegeberuf ist. Deshalb ist es umso wichtiger, die Bedeutung des Pflegeberufes in den Mittelpunkt zu stellen."

Verena Münch ist Geschäftsfeldleitung Altenhilfe der BruderhausDiakonie, des Konsortialpartners, der das im Projekt entwickelte System in der Praxis erprobt.
Quelle: KARE.

Im Projekt KARE wird ein Assistenzsystem entwickelt, das die ambulante Pflegeversorgung durch ein KI-basiertes Monitoring und digitale Interaktion unterstützt. Mithilfe optischer und akustischer Sensordaten erkennt das System, welche Alltagshandlungen von Pflegebedürftigen bereits durchgeführt wurden und welche noch ausstehen. 

 

Projekt: ProKIP

"Technik, Digitalisierung und Pflege gehören im Versorgungsalltag bereits vielfach untrennbar zusammen. Künftig wird diese Kombination bei der Verbesserung von Dienstleistungen an Bedeutung gewinnen. Es ist wichtig, darauf aufmerksam zu machen, dass eine Gesundheitsversorgung der Zukunft nur unter Einschluss der Pflege gestaltet werden kann und die Pflegenden dabei eine maßgebliche Führungsrolle spielen. Dies gilt insbesondere auch für akademisch ausgebildete Pflegende, die diese Rolle auf Augenhöhe gemeinsam mit anderen Gesundheitsprofessionen wie etwa der Medizin ausfüllen können. Und es wäre gut, diese Aufmerksamkeit das ganze Jahr und nicht nur am Tag der Pflege im Bewusstsein zu haben."
 Prof. Dr. Karin Wolf-Ostermann von der Universität Bremen ist Koordinatorin des Projekts.
Quelle: Wolf-Ostermann

 ProKIP ist das Begleitprojekt der BMBF-Förderbekanntmachung „Repositorien und KI-Systeme im Pflegealltag nutzbar machen“ und ist verantwortlich für den interdisziplinären Begleit-, Beratungs-, Vernetzungs- und Evaluationsprozess von acht geförderten Verbundprojekten. Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen, wie KI-Lösungen erfolgreich in die Pflegepraxis integriert werden können. 

 

Projekt: RoMi

"Der Tag der Pflege ist eine wichtige gesellschaftliche Institution. Er erinnert und mahnt zugleich, welchen Beitrag Menschen in Pflegeberufen täglich zum Wohl der Gesellschaft leisten. Um sie in ihrer wertvollen Arbeit zu unterstützen, ist es wichtig, die Möglichkeiten, die technische Assistenzsysteme den Pflegenden bieten, zu erforschen."
Robert Klebbe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe Alter und Technik innerhalb der Forschungsgruppe Geriatrie an der Charité Universitätsmedizin Berlin.
Quelle: Charité

Ziel der Forschenden des RoMi Projekts ist die Qualifizierung eines Serviceroboters für Aufgaben in der Pflege. Unter Einbezug von Pflegepersonal und Pflegebedürftigen werden Arbeitsprozesse im Pflegealltag untersucht – beispielsweise die mögliche Unterstützung bei Hol- und Bringdiensten.

Cluster Zukunft der Pflege

Im Rahmen des Cluster Zukunft der Pflege werden soziale und technische Innovationen in der Pflege zusammengebracht: Forschung, Wirtschaft und Pflegepraxis arbeiten gemeinsam mit Anwendern an neuen Produkten, die den Pflegealltag in Deutschland erleichtern und verbessern sollen. Als erster Baustein des Pflegeclusters nahm im Juni 2017 ein bisher in Deutschland einmaliges Pflegeinnovationszentrum (PIZ) seine Arbeit auf. Hier erforschen Ingenieurinnen und Ingenieure gemeinsam mit Pflegewissenschaftlern neue Technologien. Seit Anfang 2018 gibt es die Pflegepraxiszentren (PPZ) in Freiburg, Nürnberg, Berlin und Hannover, in denen neue Pflegetechnologien im pflegerischen Alltag erprobt werden. Die vier Zentren überprüfen die Praxistauglichkeit unterschiedlicher Technologien in klinischen, stationären und ambulanten Pflegebereichen. Die Pflegepraxiszentren vermitteln ihr Know-how auch in die pflegerische Aus- und Weiterbildung und sichern damit die Innovationskraft der Branche. 

PIZ Oldenburg

„Am Tag der Pflege geht es um die Entlastung von Pflegenden und die Verbesserung der Pflegesituation. Perspektivisch können nur vernetzte und integrierte technische Innovationen einen relevanten Beitrag leisten. Für die ambulante Pflege entwickeln wir Konzepte und Lösungen, damit die zu Pflegenden selbst, deren Angehörige oder Pflegehelferinnen und Pflegehelfer aus der Ferne durch Pflegefachpersonen optimal unterstützt werden. Solche Systeme bieten einerseits eine umfassende Analyse der Situation vor Ort mithilfe von Sensor- und Virtual Reality-Systemen, erweitern aber andererseits auch die Eingriffs- und Unterstützungsmöglichkeiten durch die intuitive Steuerung von Robotern. So kann eine körperliche Entlastung der Personen vor Ort und die sichere Ausführung von Pflegehandlungen gewährleistet werden. Die wertvolle Erfahrung von Pflegefachpersonen kann ohne lange Fahrtzeiten schnell und effektiv eingesetzt und die Weiterbildung von Angehörigen und Pflegehelferinnen und Pflegehelfern unterstützt werden."
Prof. Dr.-Ing. Andreas Hein, Vorstand OFFIS e.V. - Institut für Informatik. Quelle: OFFIS.

PPZ Berlin

„Die eigentliche Attraktivität des Pflegeberufes ist überlagert von Diskussionen um unzureichende Personalausstattung und zu geringe Gehälter. Diese Themen müssen auch angesprochen und verbessert werden. Trotzdem soll der Tag der Pflege auch zeigen, wie interessant, beziehungsorientiert, abwechslungsreich und innovativ die Arbeit in der Pflege sein kann und auch wieder sein soll.“Melanie Kruse, Referentin Geschäftsfeldentwicklung, Pflege und Wohnen Region Berlin und Brandenburg, Johannesstift Diakonie gAG, Pflegepraxiszentrum Berlin
„Ein großer Teil unseres Lebens wird derzeit von der Digitalisierung beeinflusst. Banking, Shopping, Streaming und Social Media erleben wir dabei meist als „besser“ im Vergleich zu früheren, analogen Prozessen. Die Pflege der Zukunft wird auch digitaler. Es muss gelingen, dass Pflegeprozesse durch Digitalisierung ebenfalls „besser“ im Vergleich zu heute sind. Konkret: Weniger unnötige Wege, dadurch mehr Zeit mit den Pflegebedürftigen. Mehr Informationen über Bedarfe, dadurch bessere Versorgung. Schnellere Alarmierung, dadurch rechtzeitige Hilfe und Unterstützung. Einfachere Kommunikation, dadurch mehr Teilhabe und Selbstbestimmung.“
Tobias Kley, Prokurist, Johannesstift Diakonie gAG, Pflegepraxiszentrum Berlin

 

PPZ Freiburg

„Am Tag der Pflege geht es um die Entlastung von Pflegenden und die Verbesserung der Pflegesituation. Technische Innovationen leisten dafür einen entscheidenden Beitrag. Ich möchte den Einsatz eines audiovisuellen Projektionssystems für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen hervorheben. Deshalb, weil es sich hierbei um eine Technologie handelt, die auch ohne komplexe Infrastruktur einsetzbar ist und direkt den Patientinnen und Patienten zugutekommen und die Pflegenden in ihrer Arbeit unterstützen kann. Die Pflege dürfte auch in Zukunft eine Dienstleistung mit primär zwischenmenschlichem Charakter bleiben. Technische Innovationen sollten insbesondere dazu dienen, neue Optionen in diesem Rahmen zu schaffen, um auch in Zukunft eine professionelle Pflege gewährleisten beziehungsweise verbessern zu können.“
Sven Ziegler, M. Sc. Public Health, Projektkoordinator. Quelle: Universitätsklinikum Freiburg

 

PPZ Nürnberg

„Im PPZ-Nürnberg freuen wir uns immer über Lösungen, die technisch ohne große vorbereitende Maßnahmen funktionieren. Ein Beispiel hierfür ist ein interaktives Klangkissen, das mit einer künstlichen Intelligenz ausgestattet ist. Die meditative Musik, die sich bei Bewegen des Kissens entfaltet trägt zur Entspannung und Beruhigung von Gepflegten bei. In der Pflegepraxis wird das Kissen bei Unruhe, Angst oder herausforderndem Verhalten eingesetzt und stellt für alle Beteiligten eine Entlastung dar. Und genau darum geht es für mich am Tag der Pflege: Entlastung und ein Plus an Lebensqualität zu schaffen durch den sinnvollen und auf die Individualität des Gepflegten angepassten Einsatz von innovativen Technologien.“
Marlene Klemm, NürnbergStift, Leiterin Pflegepraxiszentrum Nürnberg

Weitere Informationen:

Förderbekanntmachung "Technologiegestützte Innovationen für Sorgegemeinschaften zur Verbesserung von Lebensqualität und Gesundheit informell Pflegender

Cluster Zukunft der Pflege

Themenseite: Pflege durch interaktive Technologien verbessern