Hybride Interaktionssysteme zur Aufrechterhaltung der Gesundheit auch in Ausnahmesituationen

Zweck der Bekanntmachung ist die Förderung innovativer Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zu neuartigen hybriden Interaktionssystemen: Eine Verknüpfung präsenter und virtueller Zusammenarbeit, eine Abwechslung kontaktloser und physischer Interaktion, der Einsatz multimodaler Interaktionstechnologien, eine Kombination realweltlicher und digitaler Prozesse.

Rückansicht eines Mannes, der vor einem Computerbildschirm sitzt. Der Bildschirm zeigt eine Ärztin, die durch den Bildschirm hindurchgreift und beim Mann den Puls am Handgelenk mit einem Stethoskop misst.
© Jens Rother/Adobe Stock

Technologien, die solche Mischformen der Interaktion ermöglichen, sollen einen fließenden Übergang zwischen der Unterstützung des Alltags in bewährter Weise und seiner Aufrechterhaltung in Ausnahmesituationen gewährleisten. Dabei soll z. B. Präsenzinteraktion kurzfristig ersetzbar sein und langfristig ergänzt werden können. Die neuartigen Systeme passen ihren Grad an Hybridität (Vermischung) von Interaktionsformen dem Bedarf der Nutzenden und den realen Bedingungen an.
Die vorliegende Bekanntmachung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) erfolgt auf der Grundlage des BMBF-Forschungsprogramms zu Interaktiven Technologien für Gesundheit und Lebensqualität „Miteinander durch Innovation“. Auf Basis des Forschungsprogramms sollen in dieser Bekanntmachung Fragen des Forschungsfeldes „Digital unterstützte Gesundheit und Pflege“ adressiert werden. Die Fördermaßnahme ist dabei in zwei Module gegliedert.

Modul 1: Verbundprojekte zur Entwicklung hybrider Interaktionssysteme

Gefördert werden Projekte, die eine technologische und soziale Innovation unter Einbezug von Interaktionstechnologien entwickeln, die in der Lage ist, zwischenmenschliche Interaktion in gesellschaftlichen Ausnahmesituationen zu ergänzen. Im Fokus liegt die Entwicklung von Lösungen, die bei Bedarf eine kontaktreduzierte Gesundheitsversorgung ermöglichen, einen effizienten Übergang der Gesundheitsversorgung vom Alltag zu Gesundheitseinrichtungen und umgekehrt unterstützen, sowie die Gesundheitsversorgung entlasten. Besonderes Augenmerk liegt hierbei auf der Ermöglichung bzw. Aufrechterhaltung von zwischenmenschlicher Interaktion mit Hilfe hybrider Interaktionsformen, um gesundheitlichen Belastungen zu begegnen und gesundheitsfördernde Maßnahmen zu unterstützen.

Die in den Projekten entwickelten Innovationen müssen in mindestens einem der nachfolgend genannten Aspekte deutlich über den gegenwärtigen Stand von Forschung und Entwicklung hinausgehen und einen erheblichen Mehrwert für Nutzende aufweisen:

  • Kontaktlose Erfassung von Gesundheitsdaten: Durch die kontaktlose Erfassung von Gesundheitsdaten werden hybride Interaktionsformen ermöglicht, die zu einer kontaktreduzierten Gesundheitsversorgung beitragen können.
  • Übertragung und Integration von Gesundheitsdaten: Durch eine einfache Übertragung von (selbst) erhobenen Daten zwischen Patienten und Fachpersonal in Praxis und Klinik, erfolgt ein effektiver Transfer von Gesundheitsdaten aus dem Alltag in den medizinischen Kontext.
  • Gesten- und sprachbasierte Interaktion in multimodalen Systemen: Bestehende Ansätze in der gestenbasierten Interaktion werden ausgebaut, die sprachbasierte Interaktion weiter erforscht und mit anderen Interaktionsformen zusammengeführt.
  • Gesundheitliche und pflegerische Versorgung vor Ort: Hybride Interaktionssysteme erweitern die Möglichkeiten der Versorgung vor Ort, reduzieren Kontakte und entlasten die Gesundheitsversorgung.
  • Umgang mit den Folgen sozialer Isolation und psychischer Belastungen: Interaktive hybride Systeme helfen, zwischenmenschliche Interaktion zu ermöglichen, die für die Aufrechterhaltung der Gesundheit förderlich ist.

Modul 2: Wissenschaftliches Begleitprojekt

Ausnahmesituationen wie Pandemien betreffen die gesamte Gesellschaft. Damit die Projektergebnisse die gesellschaftliche Realsituation und Bedarfe der Nutzenden bestmöglich berücksichtigen, sollen die Forschungsprojekte durch ein Begleitprojekt in ihren Partizipationstätigkeiten unterstützt werden. Dabei soll den Forschungsprojekten ein passender theoretischer Rahmen zu unterschiedlichen Ansätzen der Partizipation und Co-Creation geboten werden und sie sollen in interdisziplinären Austausch- und Werkstattformaten bei der Entwicklung einer projektspezifischen Methodik zur Partizipation und Nutzereinbindung begleitet werden. Mittels passender Instrumente soll das Begleitprojekt die Forschungsprojekte dabei coachen, Partizipationsmethoden und Co-Creation-Formate an die projektspezifischen Bedingungen und Bedarfe anzupassen.

Das Begleitprojekt soll in seiner Unterstützung der Projekte die Kommunikationsbedingungen in Ausnahmesituationen berücksichtigen. Beispielsweise sollen Erkenntnisse zur Risikokommunikation so aufbereitet werden, dass sie den Forschungsprojekten als Leitfäden für die Kommunikation in ihren Partizipationsformaten dienen, und die Projekte über die Kommunikationsmöglichkeiten in Ausnahmesituationen mit Nutzenden der Demonstratoren informieren. Dabei sollen die Projekte auch bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit unterstützt werden.